„Die Natur braucht die Menschen“

„Ich glaube, die Natur braucht die Menschen, damit wir uns um sie kümmern. Sie belohnt uns dafür, wenn wir es tun. Wir sitzen hier unter einem Baum, weil der Baum uns Schatten spendet. 

Unter einem Baum weht ein besonderer Wind, der Baum kühlt die Menschen ab und gibt ihnen eine tiefe Ruhe. Ein Mensch spürt, wenn er unter einem Baum sitzt, nirgendwo anders hat man dieses Gefühl. Es ist der beste Ort, um eine Hängematte aufzuspannen.

Die Tenharim beschützen die Bäume seit Beginn der Welt.“

Madarejúwa Tenharim, im September 2016

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https://youtu.be/6cFM3WZQc1o

Magst du mir folgen? Hier entlang. Ich will dir etwas zeigen. Du musst aber tun, was ich dir sage. Vertraust du mir? Gut. Sei still, ganz leise. Mach einen Schritt nach vorn und bleib dann stehen. Beweg dich nicht mehr. Spann deine Muskeln an und halte den Atem an. Jetzt sag mir, wo du hier bist.

Du steht auf einer Waldlichtung, ja, da hast du recht. Aber hast du auch die Affen bemerkt? Richtig, da oben, dort sitzt einer von ihnen. Ich schon elf in drei Gruppen gezählt. Ein starker Geruch liegt in der Luft, ein wenig bitter, das ist Wildschwein, riechst Du es auch? Wir können seine Spur verfolgen und es jagen gehen.

Wenn du still wirst, kannst du alles wissen. Dann hat der Wald keine Geheimnisse vor dir. Aber ich glaube, du bist noch taub und blind. Du atmest laut, riechst stark. Der Boden zittert, wenn deine Füße ihn berühren.

Lass uns weitergehen. Vielleicht kannst du noch lernen. Lauf hinter mir und schau dir ab, wie man sich im Wald bewegt. Kannst du die Füße abrollen, leise, sieh her, so wie ich?

Lass mich pfeifen, das Volk der Tenharim kennt die Sprache der Tiere. Piu-u-u-u-ieeeee! Dann werden sie antworten und wir können mehr über sie erfahren. Hörst du? Einer pfeift zurück. «Amigo» hat er gesagt. Ha! Das muss dir gegolten haben. Der Affe da oben ist dein Freund.

Ein Hirsch war hier, er hat an der Wasserstelle getrunken. Vorne im Gebüsch sitzt ein Gürteltier. Mach dir keine Sorgen, nichts Gefährliches droht dir an diesem Ort. Der Boden ist sauber, die Adler stehen am Himmel. Hier wirst du mitten am Tag keiner Schlange begegnen.

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https://www.youtube.com/watch?v=O04s94gkv9s

Unsere Ahnen aus der älteren Zeit haben nie die Schlangen um­gebracht. Sie haben stets gewartet, bis sie wieder verschwanden. Ein totes Tier vergiftet den Boden und das Wasser, das gilt für die Anakonda und für jedes Tier. Der einzige Grund, ein Tier zu töten, ist, wenn man einen Gebrauch dafür hat oder wenn man sich ver­teidigen muss.

Wir Tenharim essen keine Anakondas, wir können sie trotzdem gebrauchen. Aus toten Schlangen schaben wir das Fett heraus. Die Tenharim gewinnen daraus eine Medizin. Das Öl einer Anakonda kannst du auf eine Wunde auftragen, dann schließt sie sich sofort. Wir lassen das Fett in einer Pfanne aus und befüllen damit Fläschchen aus Glas, die wir von den Weißen haben.

Warum wir das Öl nicht verkaufen, fragst du? Warum wir kein Geld damit verdienen? Ich bin dir nicht böse für deine Frage. Du kannst nicht wissen, dass es eine falsche Frage ist. Mein Volk läuft nicht durch den Wald und tötet die Tiere, um Stücke von ihnen zu verkaufen. Was von unseren Tieren kommt, ist nur für den eige­nen Gebrauch.

Schau her, mein Großvater hat ein Fläschchen mit Anakonda­ Öl. Du darfst es nicht mitnehmen, aber er zeigt es dir. Anakonda-Ö­l muss klar und durchsichtig sein. Rieche daran, du wirst mer­ken, dass Anakonda-­Öl keinen Geruch hat. Aber es wirkt. Ich trage dir etwas auf, halte deine Handflächen nach oben, so. Du hast eine Wunde am Arm. Sie wird jetzt heilen.