Ich bin Madarejúwa

Ich bin Madarejúwa, ein Krieger vom Volk der Tenharim. Den gleichen Namen haben andere Männer vor mir getragen, große Jäger, weise Häuptlinge und Eroberer. Ich bin stolz darauf, es ist ein guter Name. Die Tenharim haben viele Kriege geführt und stets gewonnen. Heute sind unsere Gegner die Weißen.

Nein, nicht du. Nicht alle. Du bist ein Gringo, nicht von hier. Ich spreche von den Weißen, die eine Straße durch unser Land gebaut haben, über die Gräber unserer Toten hinweg. Jetzt drin­gen sie wieder ein und fällen die Bäume. Sie quälen die Tiere und schürfen im Boden nach Metall.

Wir werden uns wehren. Ich werde mich wehren. Ich bin ein­undzwanzig Jahre alt und bereit, für die Verteidigung meines Volkes zu sterben.

Über das Buch

 

Wer ist der „Letzte Herr des Waldes“?

Der junge Krieger Madarejúwa Tenharim ist einer der letzten Wächter des Amazonaswaldes. Sein traditionsreiches Volk umfasste einmal mehr als 10.000 Menschen, ist aber auf knapp 1000 geschrumpft. Auf einer Expedition durch den Amazonas ist ihm der ZEIT-Journalist Thomas Fischermann zum ersten Mal begegnet. Seither ist er immer wieder in diese Gegend gereist, wurde zu den Heiligen Stätten des Volkes geführt, hat am Leben der Tenharim teilgenommen und hunderte Stunden Interviews geführt und aufgezeichnet – mit Madarejúwa selbst den Häuptlingen, Heilern und den Stammesältesten.

Dieses Buch erzählt Madarejúwas Geschichte. Es geht auf die Jagd nach Wildschweinen und Affen, in den Kampf mit Jaguaren und Anakondas, an mystische Stätten zu Ritualen und Festen.

Die Streifzüge mit Madarejúwa machen begreifbar, was der Wald für den jungen Mann und sein Volk bedeutet: Wenn die Natur stirbt, dann sterben auch sie. Aus dem Wald beziehen sie ihre Nahrung, ihre Naturheilmittel, ihre Identität und Spiritualität.

Aus erster Hand erfahren wir von einem uralten Verständnis der Balance zwischen Mensch und Natur.

 

‚Diese poetische, sachliche und hautnahe Lebensgeschichte gibt einen Einblick in eine uns sehr fremde Welt und sagt mehr als jeder Klimabericht. Lasst uns den Amazonas retten!‘

Britta Maschek, ZEIT Online

 

‚Es ist ein großartiges, weises Buch geworden, erzählt aus der Perspektive des jungen Mannes Madarejúwa Tenharim, der versucht, mit seinem Volk zu überleben.‘

Martin Kaul, Redakteur der taz

 

‚Es ist die Geschichte eines bedrohten Volkes. Einst umfasste es mehr als 10.000 Menschen, heute leben noch 900. Ihr Reservat ist so groß wie Schleswig-Holstein, doch von überall dringen Goldschürfer, Holzfäller und Farmer ein.‘

David Klaubert, FAZ Magazin

 

‚Was nach Grimms Märchen, Avatar oder Lederstrumpf klingt, ist der Titel eines alles andere als romantischen Dokumentarbuches. Beschrieben wird das Leben eines mit der Natur auf Du und Du stehenden Bewohners des Amazonas-Urwaldes.‘

Max Moor, ARD (Das Erste)

 

‚Das Buch des deutschen Journalisten Thomas Fischermann ist auch ein Weckruf‘ 

Georg Ismar, Deutsche Presse-Agentur 

 

‚Wert …, von so vielen Menschen wie möglich gelesen zu werden.‘

Andrea Daniel, BücherKaterTee

‚Ein zutiefst menschliches Buch‘

Maicke Mackerodt, ORF

 

‚So authentisch …, dass man die Geräusche des Dschungels im Hintergrund mitzuhören glaubt.‘

Susanne Rikl, Gute Bücher Lesen

 

‚In dem Buch stecken unglaublich viele Stunden Interview, insgesamt entstanden über mehrere Jahre.‘

Petra Rieß, NDR-Hörfunk

 

‚Die Begegnung mit einem jungen Indianer­krieger ließ ihn nicht mehr los.‘

Die ZEIT

 

‚Ein anschauliches und realistisches Porträt dieser indigenen Volksgruppe.‘

Der Ethnologe Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl in der F.A.Z.

 

‚Thomas Fischermann entschied sich zur Erzählung aus den Augen von Madarejúwa. Dadurch erst kann man eintauchen, quasi die Geräusche hören, bei den Expeditionen im Amazonaswald dabei sein.‘

Rhein Neckar Zeitung

 

‚Eine atmosphärisch dichte, empirisch gesättigte und nicht zuletzt menschlich zutiefst berührende Erzählung‘

Badische Zeitung

 

‚Im Amazonas-Regenwald tobt die Kettensäge, und der Herr der Wälder und des Wassers ist machtlos.‘

Der Tagesspiegel

 

NEWS

Das Interview mit dem WDR

„Was können wir von den Tenharim denn lernen?“ Auf WDR5 wurde der Autor Thomas Fischermann heute ausführlich interviewt. Eine Seite zum Beitrag samt Automitschnitt gibt es hier.  

TERMINE

Keine Einträge vom 14. Oktober 2018 bis zum 14. November 2018.

„Die Natur braucht die Menschen“

„Ich glaube, die Natur braucht die Menschen, damit wir uns um sie kümmern. Sie belohnt uns dafür, wenn wir es tun. Wir sitzen hier unter einem Baum, weil der Baum uns Schatten spendet. 

Unter einem Baum weht ein besonderer Wind, der Baum kühlt die Menschen ab und gibt ihnen eine tiefe Ruhe. Ein Mensch spürt, wenn er unter einem Baum sitzt, nirgendwo anders hat man dieses Gefühl. Es ist der beste Ort, um eine Hängematte aufzuspannen.

Die Tenharim beschützen die Bäume seit Beginn der Welt.“

Madarejúwa Tenharim, im September 2016

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https://youtu.be/6cFM3WZQc1o

Magst du mir folgen? Hier entlang. Ich will dir etwas zeigen. Du musst aber tun, was ich dir sage. Vertraust du mir? Gut. Sei still, ganz leise. Mach einen Schritt nach vorn und bleib dann stehen. Beweg dich nicht mehr. Spann deine Muskeln an und halte den Atem an. Jetzt sag mir, wo du hier bist.

Du steht auf einer Waldlichtung, ja, da hast du recht. Aber hast du auch die Affen bemerkt? Richtig, da oben, dort sitzt einer von ihnen. Ich schon elf in drei Gruppen gezählt. Ein starker Geruch liegt in der Luft, ein wenig bitter, das ist Wildschwein, riechst Du es auch? Wir können seine Spur verfolgen und es jagen gehen.

Wenn du still wirst, kannst du alles wissen. Dann hat der Wald keine Geheimnisse vor dir. Aber ich glaube, du bist noch taub und blind. Du atmest laut, riechst stark. Der Boden zittert, wenn deine Füße ihn berühren.

Lass uns weitergehen. Vielleicht kannst du noch lernen. Lauf hinter mir und schau dir ab, wie man sich im Wald bewegt. Kannst du die Füße abrollen, leise, sieh her, so wie ich?

Lass mich pfeifen, das Volk der Tenharim kennt die Sprache der Tiere. Piu-u-u-u-ieeeee! Dann werden sie antworten und wir können mehr über sie erfahren. Hörst du? Einer pfeift zurück. «Amigo» hat er gesagt. Ha! Das muss dir gegolten haben. Der Affe da oben ist dein Freund.

Ein Hirsch war hier, er hat an der Wasserstelle getrunken. Vorne im Gebüsch sitzt ein Gürteltier. Mach dir keine Sorgen, nichts Gefährliches droht dir an diesem Ort. Der Boden ist sauber, die Adler stehen am Himmel. Hier wirst du mitten am Tag keiner Schlange begegnen.

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https://www.youtube.com/watch?v=O04s94gkv9s

Unsere Ahnen aus der älteren Zeit haben nie die Schlangen um­gebracht. Sie haben stets gewartet, bis sie wieder verschwanden. Ein totes Tier vergiftet den Boden und das Wasser, das gilt für die Anakonda und für jedes Tier. Der einzige Grund, ein Tier zu töten, ist, wenn man einen Gebrauch dafür hat oder wenn man sich ver­teidigen muss.

Wir Tenharim essen keine Anakondas, wir können sie trotzdem gebrauchen. Aus toten Schlangen schaben wir das Fett heraus. Die Tenharim gewinnen daraus eine Medizin. Das Öl einer Anakonda kannst du auf eine Wunde auftragen, dann schließt sie sich sofort. Wir lassen das Fett in einer Pfanne aus und befüllen damit Fläschchen aus Glas, die wir von den Weißen haben.

Warum wir das Öl nicht verkaufen, fragst du? Warum wir kein Geld damit verdienen? Ich bin dir nicht böse für deine Frage. Du kannst nicht wissen, dass es eine falsche Frage ist. Mein Volk läuft nicht durch den Wald und tötet die Tiere, um Stücke von ihnen zu verkaufen. Was von unseren Tieren kommt, ist nur für den eige­nen Gebrauch.

Schau her, mein Großvater hat ein Fläschchen mit Anakonda­ Öl. Du darfst es nicht mitnehmen, aber er zeigt es dir. Anakonda-Ö­l muss klar und durchsichtig sein. Rieche daran, du wirst mer­ken, dass Anakonda-­Öl keinen Geruch hat. Aber es wirkt. Ich trage dir etwas auf, halte deine Handflächen nach oben, so. Du hast eine Wunde am Arm. Sie wird jetzt heilen.