Wie sollen die Tenharim denn leben?

Kriegerversammlung bei den Tenharim

‚Wie sollen wir Tenharim überhaupt leben? Wir müssen die Dinge bezahlen, die wir brauchen. Unsere Häuptlinge haben den Regierungsvertretern gesagt, dass wir Geld haben müssen, wenn wir in die Stadt fahren und Medizin, Essen, Kleider kaufen. Jetzt bezahlen wir für unseren Strom.

Wie sollen wir denn leben? Ich glaube, dass die Weißen voller Widersprüche sind. Einige sagen: Ihr seid keine richtigen India­ner! Ihr wollt viele Dinge kaufen, lebt nicht wie eure Vorfahren nackt im Wald. Aber sie sind gekommen und haben eine Straße mitten durch unser Land gebaut. Wir passen uns an, tragen ihre Kleider, essen ihr Essen, gehen in die Stadt. Das aber gefällt ihnen auch nicht.

Sie sagen, wir sollen lesen und schreiben lernen. Das tun wir, die jüngeren Leute sprechen die Sprache der sociedade. Viele sind in der Stadt zur Schule gegangen, so wie ich. Mein Onkel Leandro sagt, so lernen wir auch, dass die Weißen Gesetze haben und dass wir unsere Rechte durchsetzen können. Leandro sagt: Man kann den Pfeil und Bogen gegen den Stift und das Papier eintauschen, auch das ist eine Waffe. Jetzt wissen wir, wie man die Polizei ruft und mit den Behörden redet, unsere Häuptlinge tun das oft. Das gefällt den Weißen wieder nicht.

Die Großgrundbesitzer reden so über uns: Die Indianer haben viel Land, aber sie arbeiten nicht! Sie sagen, wir sind ein Hinder­ nis für die Entwicklung. Wir können bloß jagen, essen und Kin­der kriegen. So denken wir aber nicht. Die jungen Häuptlinge sagen, dass die Tenharim sich entwickeln müssen, dass wir auch etwas produzieren sollen. Gilvan ist zum Beispiel dieser Meinung. Er glaubt, die Tenharim sollen auf eigenen Beinen stehen und nicht auf Hilfen der Regierung warten.

Die Häuptlinge sagen: Okay, wir wollen Geld verdienen, wir denken über Landwirtschaft nach. Wir können Landwirtschaft betreiben, das gehört zu unserer Tradition, wir bauen Mais, Ma­niok, Kartoffeln und Gemüse an. Das können wir auch auf größe­ren Feldern tun und die Erträge verkaufen. Aber bei der Versamm­ lung haben der Mann von der Baumschutzbehörde und der Mann von der Indianerschutzbehörde gesagt: Nein, ihr müsst den Wald schützen! Die Tenharim dürfen keine Felder anlegen. Nur für den eigenen Gebrauch dürfen wir das, für die Versorgung unserer Familien. Also, wie sollen wir denn leben?

Früher haben unsere Häuptlinge gesagt: Die Indianerschutz­behörde ist wie ein Vater für uns. Heute glauben wir, dass wir den Weißen nicht vertrauen können. Sie haben unsere Pro­bleme nicht gelöst. Jetzt sagen wir den Soldaten, den Polizisten und den Regierungsvertretern ins Gesicht: Wir vertrauen euch nicht mehr!‘

Madarejúwa Tenharim