Darf man „Indianer“ sagen?

Ja, gute Frage. Sie wurde in den vergangenen Tagen häufig gestellt. Gleich im Untertitel des Buches steht ein Satz, der manche Leser verärgert hat:

‚Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas erzählt von der Zerstörung seiner Heimat und von den Geistern des Urwalds‘

Wir hatten uns darüber schon einige Gedanken gemacht: der Autor Fischermann, die Lektoren, unsere Berater in Fragen der Anthropologie. Im Buch selber findet sich (auf Seite 187) eine kleine Ausführung dazu. Vor allem in der Fachliteratur ist es heute üblich, von «indigenen Völkern» zu sprechen. Dies wird als politisch kor­rekter betrachtet als früher gebräuchliche Bezeichnungen wie «Indianer», «Indio» oder auch «Urvölker» und «Eingeborene», die diverse problematische Wortgeschichten aus der Kolonisierung mitbringen.

Cowboys und Indigene: Einige Tenharim-Familien an der Durchfahrtstraße haben sogar Fernseher zuhause stehen

Trotzdem: Am Ende wurde entschieden, dass wir es in diesem Buch nicht so streng halten. Mal abgesehen davon, dass eine politisch korrekte Wortwahl noch selten soziale Probleme aus der Welt geschafft hat: Das Wort „Indianer“ ist nicht so problematisch, wie viele meinen. Anders als im Spanischen hat der Begriff «Índio», also Indianer im Portugiesischen, nicht die gleiche negative Konnotation. Tatsächlich heißt die staat­liche Behörde für den Schutz dieser Völker „Fundação Nacional do Ín­dio“.

Den Ausschlag gab schließlich, was Madarejúwa richtig findet. Er bezeichnet sich selber als «Índio», gelegentlich auch als „Indigener“. Die Frage wurde mit ihm für dieses Buch diskutiert, und er hält beide Worte für identisch und keines für derogativ. Wo er selber spricht, wird im Buch seiner jeweils eigenen Wortwahl ge­folgt. Wo der Autor Fischermann spricht, zieht er «Indigene» oder «indi­gene Völker» vor – aber nicht auf dem Titel, wo erst mal jeder verstehen soll, worum es geht. Wörter wie «Indianerreservat» oder «Indianerschutz­behörde» sind so gebräuchlich und werden verwendet.

Auf den Begriff «Eingeborene» wird wegen der diversen negativen Konnota­tionen im Deutschen verzichtet, obwohl man auch argumentieren könnte, dass das eine ziemlich wörtliche Übersetzung des Begriffes «Indigene» ist. Auf «Urvölker» wird auch ver­zichtet, weil heute nicht mehr ganz klar ist, wie «ursprünglich» diese Völ­ker sind, und im Verhältnis zu was. Ihre Kultur verändert sich ja ständig weiter, so wie jede Kultur auf der Welt.

In aller Regel wird von «Völkern» ge­sprochen und nicht von «Stämmen», es sei denn, es ist ausdrücklich ein bestimmter Familienstamm gemeint – etwa dort, wo Madarejúwa von dem gemeinsamen Stammbaum der isoliert lebenden Tenharim und sei­ner eigenen Verwandtschaft spricht.

Neue Medienberichte

Eine erste Rezension auf Portugiesisch: Der brasilianische Dienst der Deutschen Welle hat eine ausführliche Besprechung des Buches veröffentlicht. „Thomas Fischermann gibt dem indigenen Krieger Madarejúwa Tenharim eine Stimme“, steht dort, „um die Bedrohung seines Volkes öffentlich anzuklagen“.

Im österreichischen Fernsehen war jetzt ebenfalls ein ausführlicher Beitrag über das Buch und die Geschichte des Tenharim-Volkes zu sehen. „In seinem neuen Buch porträtiert er einen der letzten Wächter des Amazonas“, hieß es in dem Beitrag.

Neue Medienveröffentlichungen

Tenharim-Kinder aus dem Marmelos-Dorf vor dem Sprung ins kalte Wasser

Eine Reihe von Medienberichten kündigt an diesem Wochenende das Erscheinen des „Letzten Herrn des Waldes“ (am 15.3.) an.

„Dieser Mann hat keine Angst“, stellt im „FAZ Magazin“ David Klaubert fest, und er meint Madarejúwa, den jungen Krieger und Koautor des Buches. „Wenn es sein muss, will er mit Pfeil und Bogen in den Krieg ziehen. Denn stirbt der Wald, stirbt auch sein Volk.“

Der Berliner Tagesspiegel widmete sich dem „Letzten Herrn des Waldes“ in einer ausführlichen Besprechung, an deren Ende der Autor Georg Ismar urteilt: „Das Buch des deutschen Journalisten Thomas Fischermann ist auch ein Weckruf … Es ist kein verklärter, sondern ein nüchterner Blick, ein Heimatbuch der anderen Art“.

 

 

Buchempfehlung im ARD-Fernsehen (mit Video)

Screenshot aus der Sendung mit freundlicher Genehmigung des NDR

„Was nach Grimms Märchen, Avatar oder Lederstrumpf klingt, ist der Titel eines alles andere als romantischen Dokumentarbuches. 

Beschrieben wird das Leben eines mit der Natur auf Du und Du stehenden Bewohners des Amazonas-Urwaldes. 

Ein Volk wehrt sich verzweifelt gegen das Urteil, das der Weiße Mann gesprochen hat: Tod durch Kettensäge.“

Max Moor,  18. Februar 2018

Die komplette Buchvorschau aus der Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ im ARD-Fernsehen kann man hier noch einmal abrufen.