Isoliert von der Außenwelt, nackt im Wald

„Lange hat mein Volk ein Geheimnis gehütet. Doch die Häuptlinge
haben entschieden, dass ich mit dir darüber reden darf. Auf unse­rem Land, noch hinter dem Kastanienhain von São Luis, leben einige Tenharim wie in der alten Zeit. Wir glauben, dass sie ohne Kleider im Wald herumlaufen. Sie ziehen als Nomaden umher und leben von der Jagd. Nie bleiben sie dauerhaft an einem Ort, vielleicht ein, zwei oder drei Monate lang. Wenn sie jagen, legen sie weite Wege zurück, viel größere Strecken als heutzutage wir. So war das alte Leben der Tenharim.“

Madarejúwa Tenharim

 

Stimmt die Geschichte, die Madarejúwa hier im Buch erzählt? Gleich war klar, dass diese Information über die «Unkontaktierten» auf dem Gebiet der Tenharim mit etwas Vorsicht zu genießen war. Es gibt keinen eindeutigen Beweise dafür, dass diese Gruppe bis heute noch lebt. Vorsicht ist deswegen angebracht, weil die Häuptlinge im Au­genblick ja ein politisches Interesse daran hätten, ein schützenswertes Mini­volk auf ihrem Gelände herbeizureden. Sie könnten sich davon Unterstützung von Seiten der Behörden erhoffen. Bei anderen Völ­kern in anderen Kontexten hat sich das als hilfreiches Druckmittel er­wiesen.

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Wie man mit einer Anakonda kämpft

Madarejúwas Großvater Mohã hat die Begegnung überlebt

„In meiner Familie gibt es nur einen Mann, der eine Begegnung mit einer Anakonda überlebt hat. Mein Urgroßvater Mohã erzählt seine Geschichte häufig. Auch andere Mitglieder meines Volkes haben schon mit Riesenschlangen gekämpft, aber das waren nur Sucuri, die sind dünn und werden vielleicht 25 Meter lang. Ab drei Meter Länge können Riesenschlangen einen Menschen töten. Sie umschlingen ein Bein und ziehen ihn unter Wasser, oft hunderte Meter weit bis zu ihrem Loch. Sucuris haben Muskeln überall, sie krümmen sich und strecken sich, können weich und geschmeidig werden, aber auch ganz hart.

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Neue Medienberichte

Eine erste Rezension auf Portugiesisch: Der brasilianische Dienst der Deutschen Welle hat eine ausführliche Besprechung des Buches veröffentlicht. „Thomas Fischermann gibt dem indigenen Krieger Madarejúwa Tenharim eine Stimme“, steht dort, „um die Bedrohung seines Volkes öffentlich anzuklagen“.

Im österreichischen Fernsehen war jetzt ebenfalls ein ausführlicher Beitrag über das Buch und die Geschichte des Tenharim-Volkes zu sehen. „In seinem neuen Buch porträtiert er einen der letzten Wächter des Amazonas“, hieß es in dem Beitrag.

Neue Medienveröffentlichungen

Tenharim-Kinder aus dem Marmelos-Dorf vor dem Sprung ins kalte Wasser

Eine Reihe von Medienberichten kündigt an diesem Wochenende das Erscheinen des „Letzten Herrn des Waldes“ (am 15.3.) an.

„Dieser Mann hat keine Angst“, stellt im „FAZ Magazin“ David Klaubert fest, und er meint Madarejúwa, den jungen Krieger und Koautor des Buches. „Wenn es sein muss, will er mit Pfeil und Bogen in den Krieg ziehen. Denn stirbt der Wald, stirbt auch sein Volk.“

Der Berliner Tagesspiegel widmete sich dem „Letzten Herrn des Waldes“ in einer ausführlichen Besprechung, an deren Ende der Autor Georg Ismar urteilt: „Das Buch des deutschen Journalisten Thomas Fischermann ist auch ein Weckruf … Es ist kein verklärter, sondern ein nüchterner Blick, ein Heimatbuch der anderen Art“.

 

 

Preview in English

Since last week, I have received a lot of requests for a translated version of the book … I am sorry, there is none. But we did a rough-and-ready translation of the preview piece that appeared in today’s Die ZEIT. Here goes!

The last Guardian of the Forest

Our author Thomas Fischermann went to meet an endangered Amazonian people. The young warrior Madarejúwa Tenharim explained to him how man and nature can live in harmony. He wants to defend his home to the death

I did not look happy when I ate the monkey. “Here, have an arm”, my companion said. “It is really well done. Get rid of the black crust on the outside first. Do you want manioc flour to go with that? Please, don’t give me that look!”

Madarejúwa Tenharim, my host in the Amazonian forest, was 20 years old at the time. The young warrior was proud to serve a feast to his guest from faraway Germany. All day long, he had been making a big secret out of what the plastic bag he was carrying around. What kind of treasure might be inside? When the sun set, his secret was revealed.

„We are going to have a barbecue. I have a surprise. I have hunted a monkey for us. It is a capuchin monkey, a female. Good barbecue material.”

We had set up our hammocks for a night by Rio Marmelos, between the trees of an old castanhal, for hours away from the closest village. One of those cold and wet Amazonian nights had begun, and we sat close to the fire where our monkey was being grilled.

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