Das Interview mit dem WDR

„Was können wir von den Tenharim denn lernen?“ Auf WDR5 wurde der Autor Thomas Fischermann heute ausführlich interviewt. Eine Seite zum Beitrag samt Automitschnitt gibt es hier.

 

Isoliert von der Außenwelt, nackt im Wald

„Lange hat mein Volk ein Geheimnis gehütet. Doch die Häuptlinge
haben entschieden, dass ich mit dir darüber reden darf. Auf unse­rem Land, noch hinter dem Kastanienhain von São Luis, leben einige Tenharim wie in der alten Zeit. Wir glauben, dass sie ohne Kleider im Wald herumlaufen. Sie ziehen als Nomaden umher und leben von der Jagd. Nie bleiben sie dauerhaft an einem Ort, vielleicht ein, zwei oder drei Monate lang. Wenn sie jagen, legen sie weite Wege zurück, viel größere Strecken als heutzutage wir. So war das alte Leben der Tenharim.“

Madarejúwa Tenharim

 

Stimmt die Geschichte, die Madarejúwa hier im Buch erzählt? Gleich war klar, dass diese Information über die «Unkontaktierten» auf dem Gebiet der Tenharim mit etwas Vorsicht zu genießen war. Es gibt keinen eindeutigen Beweise dafür, dass diese Gruppe bis heute noch lebt. Vorsicht ist deswegen angebracht, weil die Häuptlinge im Au­genblick ja ein politisches Interesse daran hätten, ein schützenswertes Mini­volk auf ihrem Gelände herbeizureden. Sie könnten sich davon Unterstützung von Seiten der Behörden erhoffen. Bei anderen Völ­kern in anderen Kontexten hat sich das als hilfreiches Druckmittel er­wiesen.

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Madarejúwa im O-Ton auf WDR3

Das WDR-Bücherprogramm „Gutenbergs Welt“ hat heute eine kleine Reportage über den „Herrn des Waldes“ ausgestrahlt – komplett mit O-Tönen aus dem Urwald und Interviews mit Madarejúwa. Hier im Podcast nachhörbar!

Krieg in den Träumen

Die alte Frau Tu’a aus der Schamanenfamilie

‚Die Pajés der Völker begannen, einen Krieg zu führen. Sie kämpften in ihren Träumen, im Gespräch mit den Geistern. Nie haben sie ihre Gegner gesehen, aber trotzdem ging es um Leben und Tod.

Bei einem Krieg unter Zauberern ist es so: Der mit der schwächeren Seele muss als Erster sterben. Ein böser Zauberer kann viel Schaden anrichten. Er kann die Menschen töten, er kann sogar ein Haus über große Distanz zerstören, nur mit der Kraft seiner Gedanken.

Für unsere Pajés war es schwierig, denn die Schamanen der Jiahui kannten viele Tricks. Sie kamen nicht in Menschengestalt, um die Haare der Verwandten zu rauben, sondern verwandelten sich bei Nacht in Fledermäuse. Um den bösen Zauber zu entlarven, um in das Dorf der Jiahui zu blicken und ihre Pläne zu sehen, taten unsere Pajés das Gleiche. Auch bei den Tenharim beherrschten einige die schwarze Zauberkunst. Sie träumen mit den Geistern und nahmen Tiergestalt an. So belauschten sie die Jiahui und warnten ihr Volk vor den Listen der Feinde.

Da begann die Zeit, in der die Tenharim mit geschorenen Köpfen herumliefen. Nach dem Rasieren vergruben sie die Stoppel in der Erde oder warfen sie in den Fluss. Das war eine Strategie, die die Pajés unseren Kriegern empfahlen. Die Jiahui liefen schon viele Jahre lang mit rasierten Köpfen herum. Die Verwandten hatten sich immer gefragt, warum!‘

Madarejúwa Tenharim